Lillys Reise durch die Nacht. Illu von Katharina Sieg

Werkstattgespräch mit Katharina Sieg

In Hella Siegs “Lillys Reise in die Nacht” in Gecko 68 geht es um einen Schmetterlingsmädchen, das – von einem Gewitter aufgeschreckt – neugierig die Nacht erkundet und dabei auf einen Nachtfalter trifft.
Die Geschichte spielt ausschließlich während der Nacht. Katharina Sieg hat dafür eine Illustrationstechnik verwendet, die die Farben leuchten und die Dunkelheit in den Illustrationen noch tiefer wirken lässt.

Wie entstehen die zarten feinen Strukturen in den geheimnisvoll wirkenden Illustrationen?
Ich zeichne auf hauchdünnes, mattschwarzes Scherenschnittpapier. Das muss so dünn sein, denn die Technik ist eine Frottagetechnik, bei der ich Strukturen darunterlege, die sich dann beim Zeichnen auf der Oberfläche durchdrücken, so wie man das früher mit Münzen gemacht hat. Dafür habe ich verschiedende Untergründe gesammelt – Döschen, Blätter, Kork oder Spitzenstoffe – alles, was eine schöne Struktur hat. Für diese Geschichte habe ich zum Beispiel oft ein Blätterskelett verwendet.
Welche Stifte verwendest du?
Ich zeichne mit weichen, sehr ergiebigen Buntstiften mit vielen Pigmenten, damit strahlen die Farben besonders gut. Auch wenn ich keine flächigen Muster erstellen will, sondern normal zeichne, lege ich oft einen Leineneinband darunter, damit bekommen auch diese Striche eine leichte Struktur…
Mein erstes Buch, das noch im Studium entstand, ist komplett in dieser Technik gestaltet, es ist in Frankreich erschienen.
Ich experimentiere gerne mit verschiedenen Untergründen, dabei entstehen, zum Beispiel bei Spitzenstoffen, dann auch überraschende Muster, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Die Illustrationen sind komplett analog entstanden. Digital wurden am Ende nur kleine Flecken oder ähnliches in der Feinretusche entfernt.

Das kleine Zeitraffer-Video zeigt das Entstehen der Technik: